Lesung in Hamburg

2. Februar 2012

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Am Abend des 25. Februar lesen die Schauspielerinnen Viola Heeß und Veronika Engelmann Kurzgeschichten aus Asphaltwiesn. Ort der Lesung ist das Café Meinke in St. Pauli. Ein Musikant wird kommen und der Autor. Der verkriecht sich in der letzten Reihe.

Auf der Verlagsseite von Periplaneta ist ein neues, ausführliches Interview zur Veröffentlichung von Asphaltwiesn erschienen. Beste Frage: “Wie hat denn Ihr Zahnarzt auf die Veröffentlichung von Asphaltwiesn reagiert?”

Zum Interview

Schienenersatzverkehr 2

2. Januar 2012

Blogstory

Ihr Fahrlehrer hatte einen Narren an ihr gefressen. Er fand sie unglaublich nett. Sonst hätte sie die Prüfung auch nicht bestanden. Hauptsache immer lächeln. Die Augen weit aufreißen. Nicht viel sagen. Was sollte sie auch sagen. Um etwas sagen zu können, muss man an etwas glauben. Glauben, dass bestimmte Dinge einen Sinn machen. Oder zumindest, dass Menschen Menschen sind.

Während ihr Fahrlehrer die Vorfahrtsregeln erklärte, schob sie in Gedanken Splitter zu einem Haufen und formte Personen daraus: ihren Fahrlehrer, Kitty, Tom, Holger, Menard. Noch mühsamer wurde es, wenn der Unterricht vorbei war. Wenn sie Stellung beziehen musste, im Kreis der Freunde. Scherzen. Angreifen. Ausweichen. Sich positionieren. Gut, dass einer der Jungs meist an ihr Interesse hatte. Das war dann einfach. Sie warf ihm ein bisschen Zucker hin. Neckte. Gebärdete sich vielversprechend. Musste nicht viel sagen. Sobald die Jungs verschwunden und nur noch ihre Freundinnen da waren, wurde es wieder schwierig. Mädchen konnten in einen reinschauen. Da musste sie aufpassen.
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Schienersatzverkehr 1

14. Dezember 2011

Blogstory

Sie steht am Gleis. Vögel zwitschern. Drosseln. Finken. Ihr Zug kommt gleich. Sie wartet.

Aufgrund eines Notarzteinsatzes ist der Streckenabschnitt zwischen Dachau und Petershausen nicht befahrbar. Wir bitten Sie, die S 2 bis Dachau zu benutzen. Ab Dachau besteht Schienenersatzverkehr

Sie steht da und wartet. Und es ist kein Bahnhof, in dem sie steht und keine Haltestelle. Aber es ist ihr Zug, der kommen wird. Sie hat drei Jahre auf ihn gewartet. Drei Jahre dafür gebraucht. Und es wird gut sein. Es wird gut sein, wenn er da ist. Es wird besser sein.
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Es ist vollbracht! Der unter dem Arbeitstitel Hellabrunn entstandene Kurzgeschichtenband erscheint nun unter dem Titel Asphaltwiesn und ist ab sofort beim Verlag erhältlich. Neben der exzellenten Softcover-Ausgabe gibt es das Buch auch als Kindle E-Book bei Amazon.

Offizieller Erscheinungstermin ist der erste Dezember 2o11.

“Asphaltwiesn” Infos und Bestellung

Andreas Kecks Romane Schneeblind und RUHM! sind nun auch als Amazon-Kindle eBooks erhältlich. Kindle Bücher kann man nicht nur mit dem Amazon Kindle lesen. Für Computer und Smartphones gibt es bereits kostenlose Software.

Periplaneta  Kindle Edition

27. Juni 2011

langsame zigarette

die weiche stelle in der senke
zwischen zeigefinger und
daumen die man aufspannen
kann wie eine schwimmhaut
die roch noch nach dir noch
am abend obwohl wir uns
schon mittags getroffen
haben in unsrer mittags
pause in meinem wagen
und wir die sitze hinter
rückten und die lehnen
und nur sprachen eine
zigarette rauchten wir
an einer rauchten wir
zusammen ich gab sie
dir du gabst sie mir
ich zog und gab
sie wieder dir

Kurzes aus Kreuzberg

5. Juni 2011

Die junge schöne Türkin im Café Kotti. Ihre türkische Familie und ältere Bekannte um einen Tisch. Sie dazwischen. Nickt den alten Männern lächelnd zu. Schweigt. Streichelt den Mops ihrer Mutter. Sie steht auf. Sie ist oft hier. Am Tresen fragt die kurzhaarige Berliner Kellnerin, was sie heut Abend mache. Beide setzen sich auf die Eckbank neben mir. Die kurzhaarige, gepiercte Kellnerin erklärt, dass sie Soziale Arbeit studieren wird, an der Alice-Salomon, jetzt einen Studienplatz erhalten hat, sehr aufgeregt ist. Sie ist erbost über den Menschenhandel in Berlin, spricht lange darüber. Die Türkin hört ihrer Freundin zu und schaut hin und wieder zu mir her. Lächelt mich an. Die älteren Männer beobachten, wie auch ich immer wieder zu ihr hinsehe. Ich sitze vor meinem Laptop und durchforste Ebay nach einer 70er-Jahre-Stehlampe für Selbstabholer. Es ist dunkel in unserer Sitzecke. Ihre Augen sind dunkel. Ihr Haar. Etwas bewegt mich. Ich kann nicht sagen, was. Wahrscheinlich sie. Ihr Dazwischen. Ihre Verstellungskunst. Ihr Schweigen.

Wo ist Julian?

23. Mai 2011

Armin: “Papa, wo ist eigentlich Julian Assange? Warum redet keiner mehr über den?”
Vater: “Sie haben ihn sich längst wieder einverleibt.”
Armin: “Was heißt einverleibt?”
Vater: “Das bedeutet, dass diejenigen, denen er gefährlich wurde, das Mittel eingesetzt haben, um ihn ungefährlich zu machen. Verstehst du, Armin?
Armin: “Ja, Papa. Aber was ist das für ein Mittel?”
Vater: “Die Moral.”
Armin: “Wieso die Moral?”
Vater: “Erst haben sie ihn einer kleineren Gesetzeswidrigkeit überführt und dann haben sie uns erklärt, wie amoralisch er sei. Gegenüber seinen Freunden, seinen Kollegen, alten Vertrauten. Und das ist die Moral. “
Armin: “Ja, und?”
Vater: “Sie ist das Mächtigste – und das Verlogenste. Sie ist das Schlimmste. Verstehst du, Armin?”
Armin: “Ja, Papa.”

Andreas Kecks Romane ‘Schneeblind’ und ‘RUHM!’ wurden für den Bayerischen Kunstförderpreis 2o11 nominiert.

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