27. Juni 2011

langsame zigarette

die weiche stelle in der senke
zwischen zeigefinger und
daumen die man aufspannen
kann wie eine schwimmhaut
die roch noch nach dir noch
am abend obwohl wir uns
schon mittags getroffen
haben in unsrer mittags
pause in meinem wagen
und wir die sitze hinter
rückten und die lehnen
und nur sprachen eine
zigarette rauchten wir
an einer rauchten wir
zusammen ich gab sie
dir du gabst sie mir
ich zog und gab
sie wieder dir

Kurzes aus Kreuzberg

5. Juni 2011

Die junge schöne Türkin im Café Kotti. Ihre türkische Familie und ältere Bekannte um einen Tisch. Sie dazwischen. Nickt den alten Männern lächelnd zu. Schweigt. Streichelt den Mops ihrer Mutter. Sie steht auf. Sie ist oft hier. Am Tresen fragt die kurzhaarige Berliner Kellnerin, was sie heut Abend mache. Beide setzen sich auf die Eckbank neben mir. Die kurzhaarige, gepiercte Kellnerin erklärt, dass sie Soziale Arbeit studieren wird, an der Alice-Salomon, jetzt einen Studienplatz erhalten hat, sehr aufgeregt ist. Sie ist erbost über den Menschenhandel in Berlin, spricht lange darüber. Die Türkin hört ihrer Freundin zu und schaut hin und wieder zu mir her. Lächelt mich an. Die älteren Männer beobachten, wie auch ich immer wieder zu ihr hinsehe. Ich sitze vor meinem Laptop und durchforste Ebay nach einer 70er-Jahre-Stehlampe für Selbstabholer. Es ist dunkel in unserer Sitzecke. Ihre Augen sind dunkel. Ihr Haar. Etwas bewegt mich. Ich kann nicht sagen, was. Wahrscheinlich sie. Ihr Dazwischen. Ihre Verstellungskunst. Ihr Schweigen.

Wo ist Julian?

23. Mai 2011

Armin: “Papa, wo ist eigentlich Julian Assange? Warum redet keiner mehr über den?”
Vater: “Sie haben ihn sich längst wieder einverleibt.”
Armin: “Was heißt einverleibt?”
Vater: “Das bedeutet, dass diejenigen, denen er gefährlich wurde, das Mittel eingesetzt haben, um ihn ungefährlich zu machen. Verstehst du, Armin?
Armin: “Ja, Papa. Aber was ist das für ein Mittel?”
Vater: “Die Moral.”
Armin: “Wieso die Moral?”
Vater: “Erst haben sie ihn einer kleineren Gesetzeswidrigkeit überführt und dann haben sie uns erklärt, wie amoralisch er sei. Gegenüber seinen Freunden, seinen Kollegen, alten Vertrauten. Und das ist die Moral. “
Armin: “Ja, und?”
Vater: “Sie ist das Mächtigste – und das Verlogenste. Sie ist das Schlimmste. Verstehst du, Armin?”
Armin: “Ja, Papa.”

Andreas Kecks Romane ‘Schneeblind’ und ‘RUHM!’ wurden für den Bayerischen Kunstförderpreis 2o11 nominiert.

seine Mutter…

18. Mai 2011

…hatte ihm immer die belegtesten Brote zubereitet

DIE PUPILLE

18. Mai 2011

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sie hatte große runde augen
ein schwarzes brunnenloch in
der mitte steinchen werfe ich
hinein und höre warte bis
sie am grund aufschlagen
sie schlagen niemals auf!

was
erwartete ich von ihrem kalt
gepressen olivenölgesicht
dass unter ihrer haut die
wahrheit liegt?

“Asphaltwiesn”

16. Mai 2011

Bei Periplaneta erscheint demnächst der erste Kurzgeschichtenband “Asphaltwiesn” von Andreas Keck. Die elf in München angesiedelten Storys zeigen einen Querschnitt durch die Gesellschaft der kleinen Metropole. Keck sammelt – unterwegs auf seinem Fahrrad – Bilder und Szenen einer jungen kraftvollen Stadt, und verzichtet nie auf die Pointierung des Doppelbödigen und Bösen.

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Leseprobe: Funky Town

Ich habe das Gefühl, dass ich mich verbrennen werde. An ihr. Learning by doing? Was ist klüger: Dass dich einer warnt und sagt, lass das sein besser oder wenn du dir die Finger selber verbrennst und dann weißt, dass es zu heiß war und du nie mehr hinfassen darfst. Aber was heißt ‚darfst’. Sie sagt, sie ist morgen wieder hier. Wir schreien in der Disco. Wie bitte?? Ich bin morgen wieder hier.
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